Wenn gemeinsames Essen zur Belastung wird

Klingt trivial, kann für Typ 1 Diabetiker jedoch belastend sein: das gemeinsame (Sonntags-) Essen mit Freunden und Familie. Erfolgsentscheidend ist dabei die Stärkung der eigenen, unmittelbaren Gemeinschaft, natürlich ohne Gluko-Kicks. So kann erfolgreiches Typ 1 Diabetesmanagement auch langfristig gelingen.

Ein Festmahl für Alle

Einige Typ 1 Diabetiker haben mir von der Schwierigkeit berichtet, die Anforderungen der eigenen Erkrankung mit dem „normalen“ Alltag, dem unmittelbaren Umfeld, zu vereinbaren. Vor der Typ 1 Diagnose war beispielsweise das gemeinsame (Sonntags-) Essen der Höhepunkt der Woche, an dem Familie und vielleicht auch Freunde zusammenkamen, um sich auszutauschen und zu genießen. Das gemeinsame Zubereiten der Mahlzeiten war ein lieb gewonnenes Ritual. Mit der Typ 1 Diagnose kam jedoch die Verunsicherung, und von ihr gefolgt der Entschluss, separate Mittagessen für sich selbst zu kochen – und sich so von der gewohnten Gemeinschaft und lieb gewonnener Gewohnheiten zu spalten.

Zusammen essen, nicht getrennt

Für mich kam es nie in Frage, die Erkrankung zwischen meine gewohnte Lebensweise und mich zu stellen, vor allem bei einem meiner liebsten Hobbys: dem gemeinsamen Speisen. Es war stets meine Überzeugung, dass Mahlzeiten für Typ 1 Diabetiker auch Nicht-Diabetiker begeistern können. Es gibt gar keine Notwenigkeit, „für die anderen“ anders zu kochen als für uns Diabetiker, dennoch alle satt zu kriegen und mit Genuss zu begeistern.

Kleine Anpassungen – große Wirkung

Ich bin keine Expertin für die Zubereitung von Fleisch und Fisch, die bei vielen Familien zum Sonntagsessen gehören. In ihrer Reinform (ohne Panade, etc.) sind sowohl Fleisch als auch Fisch gut für Mahlzeiten ohne Gluko-Kicks geeignet. Die Herausforderung für Diabetiker liegt vielmehr in den gewohnten Sättigungsbeilagen. Will man die Kohlenhydrate aus Stärke (wie in Mehl, Nudeln, Reis und Kartoffeln) und den Fleischkonsum reduzieren (z.B. wegen Cholesterin), dann wird die langanhaltende Sättigung zu einer zentralen Herausforderung. Daher habe ich mir einige gewohnte Klassiker der Familienküche vorgenommen und sie mit einigen Kniffen in leckere (vegetarische) Mittagessen zum gemeinsamen Genießen ohne Gluko-Kicks verwandelt.

Meine verwandelten Mittagessen-Klassiker, die allen schmecken:

Schnitzel mit Risotto ohne Schnitzel und Reis

Man sollte sich von Gemüse-Schnitzeln nicht abschrecken lassen und ihnen unbedingt eine Chance geben. Gemüse und Fleisch haben durchaus etwas gemeinsam, vor allem ihren Bedarf nach Gewürzen und richtiger Zubereitung. Ein zu lange gebratenes, ungewürztes Steak wird kaum jemanden begeistern. Mit Gemüse ist es ähnlich: gut gewürzt und richtig zubereitet, ist es ein Genuss. Und gezielt gewählte Zutaten sorgen für eine lange Sättigung.

Gefüllte Paprika mit Porree und Salat

Porree ist meines Erachtens ein unterschätztes Gemüse. Geschmort offenbart es eine Geschmackstiefe, die es zu meinen Gemüse-Favoriten macht. In Kombination mit der gefüllten Paprika wird es zu einem vollständigen Mittagessen, ganz ohne die üblichen Sättigungsbeilagen. Ich empfehle, das Gericht mit frischem Dill zu garnieren, da sich die Geschmäcker hervorragend ergänzen und der Dill dieses Gericht zusätzlich aufwertet.

"Frikadellen" mit Stampf

Ich erinnere mich noch an den Tag, als meine Tofu-skeptische Mutter nach einem meiner Mittagessen-Experimente sagte: „Das schmeckt ja fast noch besser als mit Fleisch.“ Wenn ich meine Eltern besuche, koche ich oft das Mittagessen, backe Kuchen und stelle dabei gerne meine neuesten Entdeckungen und Kreationen vor. Meine Eltern waren stets offen für meine Experimente, doch mit Tofu konnte meine Mutter nichts anfangen. Dennoch entlockte ich ihr eines Tages diesen Satz, als sie meine Tofu-Bällchen zum ersten Mal aß.

Und dazu ein Dessert? Hier gibt es Ideen für leckere Desserts zum Sonntagsmenü.

Rezepte zum Download

Auf den gemeinsamen Genuss und viel Freude beim gemeinsamen Mittagessen. Die Rezepte zum Download gibt es hier.

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