
A.N.K.E.R. Konzept
Erfolgreicher Umgang mit Typ 1 Diabetes ist nicht das Ergebnis von Einzelmaßnahmen, sondern erfordert einen strukturierten, in sich stimmigen Ansatz hinsichtlich der Planung von Mahlzeiten, der verwendeten Lebensmittel und manchmal auch der ausgeübten Tätigkeiten. Das Wichtigste aus meiner Sicht ist es aber, das enge persönliche Umfeld, ob Familie, Freunde oder die Arbeitskollegen – also die Schlüsselpersonen unseres täglichen Lebens – mit einzubeziehen.
Eine durchdachte Herangehensweise an die Mahlzeitenplanung erfordert einen (Wochen-) Plan. Auch bei Typ 1 Diabetes kann man sich lecker und genussvoll ernähren – und man kann die angepasste Ernährungsweise für sich entsprechend systematisieren. Ich bewahre alle wichtigen Lebensmittel zusammen an einem Ort in einer fest verschlossenen Box (Vorsicht: Samen, Nüsse und Kleien sind für Lebensmittelmotten ein Leckerbissen) auf und kann bei Bedarf stets schnell auf diese zugreifen, ohne in einzelnen Schränken nach den relevanten Zutaten zu suchen.
Ein gutes Konzept, eine zielgerichtete Planung, ein funktionierendes System … und schon ist Typ 1 Diabetes keine Belastung mehr, sondern das ganz normale tägliche Leben. Voller Genuss und Lebensfreude für uns Betroffene und alle um uns herum.
Dreifaltigkeit des Konzepts
Planung


Organisation
Kontrolle




Die Planung der Mahlzeiten
Der Umgang mit Mahlzeiten sollte meiner Erfahrung nach im Mittelpunkt der Konzeptphase stehen. Unser Leben besteht aus vielen unterschiedlichen Abschnitten mit unterschiedlichen Anforderungen an die Ernährungskonzeption. Meine zentralen:
Sitzende Tätigkeiten (Arbeit, Zuhause) erfordern ein anderes Ernährungskonzept als körperlich anstrengende Arbeit (oder sportliche Aktivitäten). Bei dauerhafter Bewegung werden Kohlenhydrate besser verarbeitet als bei einer durchgehend sitzenden Bürotätigkeit.
Mahlzeiten haben im Tagesverlauf unterschiedliche Anforderungen. Das „falsche“ Frühstück kann die Grundlagen für einen Tag mit Gluko-Kicks setzen. Hingegen kann unser Insulin mittags eine moderate Zufuhr von (qualitativ hochwertigen) Kohlenhydraten gut verarbeiten. Und abends können sowohl Fett als auch Kohlenhydrate für nächtliche Gluko-Kicks verantwortlich sein.
Langes sitzendes Reisen verlangen andere Planungskonzepte als der Tag im Büro oder Zuhause. Beim Bäcker eben schnell ein belegtes Brötchen zu holen, kann sich während der Fahrt rächen. Ich plane vor jeder längeren Reise einen Vorbereitungsabend für mich und meinen Freund ein. Auch nährstoffdichte Ernährung kann Nicht-Diabetikern schmecken.


Organisation um das neue Konzept herum
Nachdem ich mir ein Konzept für meine angepasste, nährstoffdichte Ernährungsweise zugelegt habe, habe ich die relevanten Lebensmittel an einen Ort in großen Tupperdosen zusammengeführt. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass nicht die Verwendung der neuen Lebensmittel eine Ernährungsumstellung verkompliziert, sondern deren mangelnde Organisation. Ob ich eine Weizenmehlsorte verwende oder aus einer Kiste drei Ersatzprodukte nehme, verzögert die Ausführung des Rezepts um maximal eine Minute. Hingegen habe ich bei meinen Eltern in verschiedenen Schränken nach den Zutaten suchen müssen und bin schier verzweifelt. Neben einer schlechten Laune hatte ich die Lust auf mein eigenes Rezept verloren. Es war mir schlicht zu kompliziert. Eine Erfahrung, die ich in meinem entsprechend organisierten Zuhause (Zweizimmerwohnung mit einer 8 qm Küche) nie mache.




Aus diesen Gründen bin ich überzeugt, dass mit einem individuellen Konzept, das gut auf die jeweiligen Lebensumstände der Betroffenen angepasst wurde, ein passender und stressfreier Umgang mit dem Typ 1 Diabetes, und der damit verbundenen Senkung des Blutzuckerspiegels, existiert. Eine um dieses Konzept gelagerte Organisation des Lebens und Haushalts sowie eine konsequente Kontrolle in definierten Testphasen, ist möglich und verhilft jedem zur Besserung.
Dir fehlt die Zeit für solche "Spielereien"? Dann überlege dir selbst, was so viel wichtiger ist als deine eigene langfristige Gesundheit – vor allem in Zeiten eines klammen Gesundheitssystems. Wir wissen nicht, was in 10 oder 20 Jahren sein wird. Wir können jedoch aktiv beeinflussen, wie unsere Typ 1 bezogene Gesundheit in Zukunft aussehen könnte. Und das können wir genau jetzt tun. Jeder Tag, an dem wir darauf Rücksicht nehmen, ist besser als nichts. Starte jetzt!
Kontrolle des Erreichten
Meiner Erfahrung nach ist es erfolgsrelevant zu prüfen, ob die (schrittweise) umgesetzten Maßnahmen erfolgreich verlaufen. Kaum einen Satz habe ich zu Typ 1 öfter gehört als jenen: „Jeder Körper ist anders und kann daher unterschiedlich auf Nahrung und Insulin reagieren. Es gibt kein Patentrezept.“ Ich bin der Meinung, dass bislang noch nicht der gemeinsame Nenner gefunden wurde. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, Ernährungs-„Experimente“ über einen Zeitraum von beispielsweise einer Woche oder einem Monat zu machen, die jeweiligen Erkenntnisse zu kontrollieren (vorher-nachher-Vergleich) und mittels neuer Experimente meine Annahmen zu kontrollieren, bzw. weiterzuentwickeln.
Damit habe ich ein System gefunden, das für mich gut funktioniert, Gluko-Kicks weitgehend vermeidet und mir stetig bessere Blutzuckerwerte beschert.











