
A.N.K.E.R. Akzeptanz
Eine Typ 1 Diagnose ist in erster Linie eine psychologische Herausforderung. Sie verändert das Leben schlagartig. Mit dem Schicksal zu hadern liegt in der Natur von uns Menschen, das ist auch völlig in Ordnung. Jedoch habe ich für mich die Erfahrung gemacht, dass diese Herausforderung zu akzeptieren und sich auf die neue Lebensweise einzulassen weit weniger problematisch ist, wenn man mit dem Schicksal nicht hadert, sondern sich mit ihm abfindet. Das eigene Hadern selbst verändert die neue Realität leider nicht im gewünschten Sinne, ist daher nicht zielführend oder ergebnisorientiert. Vielmehr ist es Selbstmitleid, ich persönlich habe es sogar als Beleidigung meines Körpers mir selbst gegenüber empfunden. Mein Leben lang hatte ich geradezu von arrogantem Stolz hinsichtlich meiner „überragenden“ Gesundheit. In über 40 Jahren auf dieser Erde hatte ich noch nie eine Grippe, habe mir nie etwas gebrochen (und ich komme vom Dorf) oder nennenswerte Allergien.
Plötzlich bekam ich diese Autoimmunerkrankung, als erste in meiner gesamten Familie, und war abhängig von Insulin und Sensoren.
Dreifaltigkeit der Akzeptanz
Pragmatismus


Gewohnheiten
Lebensfreude




Pragmatismus hilft
Wenn ich die Tatsache der Typ 1 Erkrankung nicht verändern kann, dann möchte ich sie wenigstens nach meinen Wünschen gestalten – entsprechend der nun neuen Gegebenheiten, die sich aus der Diagnose ergeben. Das eigene Leben wird durch die Diagnose leider nicht besser. Aber eben auch nicht zwangsläufig schlechter. Wir Betroffene haben es selbst in der Hand. Und schließlich haben wir noch alle Körperglieder, die wir zum Leben benötigen. Wir riskieren diese jedoch langfristig, wenn wir uns weigern die Krankheit als gegeben anzunehmen. Ein „weiter so machen wie bisher“ befeuert die Risiken von Folgeerkrankungen erheblich, an denen in erster Linie nur wir selbst leiden werden.


Gewohnheiten anpassen
Ja, es ist so schwer, wie es klingt. Gewohnheiten machen uns aus und lenken uns durch unser Leben. Veränderungen von Gewohnheiten sorgen für Unsicherheiten und Unsicherheit führt zu Angst, die wiederum Ablehnung verursacht. Diese wird gerne im Totschlagargument „ich will doch auf nichts verzichten“ verpackt. Dabei übersehen wir, dass wir ständig in unserem gesamten Leben auf etwas verzichten (müssen), nur manchmal ist diese Gewohnheit so automatisch, als dass wir den Verzicht nicht als solchen empfinden. Verzicht ist eine Frage der Perspektive, und die Schaffung von (neuen) Gewohnheiten erleichtert uns immens, Veränderungen nicht als Verzicht zu empfinden. Wer sich wie gewohnt verhält („das habe ich die letzten 30 Jahre so gemacht und ich sehe nicht ein, etwas daran zu verändern.“), verzichtet letztendlich auch. Und zwar vor allem auf ein langes Leben als Mensch ohne körperlich einschränkende Krankheiten. Also auf zu neuen Dia-Gewohnheiten. Schritt 5 „Routinen“ widmet diesem entscheidenden Erfolgsfaktor ein eigene „Dreifaltigkeit“.


Lebensfreude in den Vordergrund stellen
Die Diagnose eines Typ 1 Diabetes erfreut niemanden. Im Vergleich zu anderen Krankheiten bin ich doch relativ froh, dass ich mit Typ 1 diese und keine andere Autoimmun-Krankheit bekommen habe. Wenn es schon so sein sollte, dass mich eine lebenslange Krankheit heimsucht, welch Glück, dass es „nur“ Diabetes Typ 1 wurde. Damit kann ich genauso alt werden wie ohne, sagt jedenfalls meine Diabetesärztin. Ich habe keine gravierenden körperlichen Einschränkungen und riskiere mein Leben nicht, wenn ich einmal meine Medizin nicht dabei habe. Und nein, Traubenzucker ist keine Medizin. Daher freue ich mich über diese Krankheit und passe einzelne Phasen meiner Gewohnheiten pragmatisch an die neuen Bedingungen an und mache ansonsten weiter wie bisher. Das Leben ist auch mit Typ 1 genauso schön wie ohne, denn ich kann auch weiterhin uneingeschränkt all das machen, was ich vor der Diagnose gemacht habe. Ich habe nun etwas mehr Gepäck, aber nicht weniger (Lebens-) Freude dabei.













