NeU am 20.05.2026: 3 Rezepte mit ballaststoffen
Low Starch: Ein Schlüssel zur Blutzuckerkontrolle?
In den letzten Jahren erleben Diät-Trends wie High Protein, Low Carb oder Keto einen zunehmenden Hype. In den sozialen Medien scheint es geradezu eine „Verschwörung gegen Kohlenhydrate“ zu geben. Sind diese Diäten vielleicht auch eine mögliche Lösung für uns Diabetiker, die täglich Insulin spritzen müssen?


Kohlenhydrate – nicht alle sind gleich
Während in den 1980er und 1990er Jahren die Low-Fat-Bewegung im Fokus stand, liegt der aktuelle Trend auf der Reduzierung von Kohlenhydraten. Wie ich in früheren Artikeln erklärt habe, sind Kohlenhydrate jedoch nicht gleich Kohlenhydrate. Es gibt viele verschiedene Arten, die sich in ihrer chemischen Struktur und in der Art und Weise, wie unser Körper sie verarbeitet, unterscheiden. Einige Kohlenhydrate, wie kurzkettige und langkettige, einfache Zucker wie Glukose oder komplexe Zuckerstrukturen, haben unterschiedliche Auswirkungen auf unseren Körper und den Insulinspiegel. (Mehr dazu hier: Lebensmittelverband).
Diese Unterschiede sind entscheidend, wenn es darum geht, wie unser Körper die Kohlenhydrate verarbeitet und wie schnell das Insulin darauf reagiert. Genau diese Unterscheidung ist wichtig, um den Blutzuckerspiegel im Griff zu behalten.
Warum Insulin nicht alle Kohlenhydrate gleich gut verarbeitet
Einige Kohlenhydrate, besonders Stärke, haben eine besonders enge „Bindung“ zum Insulin. Das bedeutet, sie benötigen viel länger, um verarbeitet zu werden. Diese „Trennungsangst“ sorgt dafür, dass Insulin bei einer hohen Zufuhr von Stärke träger wirkt, was zu einem langsamen, aber anhaltenden Anstieg des Blutzuckerspiegels mit Gluko-Kicks führt, die schwer zu kontrollieren sind.
Aktuelle Studien zeigen, dass nicht nur der HbA1c-Wert entscheidend für unsere langfristige Gesundheit ist, sondern auch die Vermeidung von häufigen Blutzuckerschwankungen. Diese Schwankungen, die von hohen Glukosewerten (Gluko-Kicks) bis hin zu Unterzuckerungen (Gluko-Drops) reichen, stellen für Diabetiker ein erhebliches Risiko dar. Ein stabiler Blutzuckerspiegel ist entscheidend für unser Wohlbefinden. (Mehr dazu hier: PMC-Studie)
Kohlenhydrate mit Ballaststoffen – eine bessere Wahl?
Kohlenhydrate, die viele Ballaststoffe enthalten (z.B. Haferkleie), sind bei unserem Insulin weniger beliebt. Sie werden daher schneller verarbeitet und lassen den Blutzuckerspiegel kaum ansteigen. Es gibt also durchaus Kohlenhydrate, die das Insulin effizienter verarbeiten kann und die den Blutzuckerspiegel stabilisieren können.
Kohlenhydrate pauschal zu verteufeln, ist meiner Erfahrung nach der falsche Ansatz. Es geht vielmehr darum, die Art der Kohlenhydrate qualitativ auszuwählen. Wenn wir Kohlenhydrate essen, die unser Insulin schnell und effizient verarbeiten kann, bleibt der Blutzuckerspiegel stabiler und wir können die Insulinmengen besser steuern.
Low Carb und Keto – Risiken für Typ 1 Diabetiker?
Low-Carb- und Keto-Diäten sind populär geworden, aber für Menschen mit Typ 1 Diabetes können sie problematisch sein, aufgrund gefährlicher Ketosen, die bei extrem niedriger Kohlenhydrataufnahme ausgelöst werden können. Wenn der Körper Fett statt Zucker als Energiequelle nutzt, ohne dass Insulin entsprechend angepasst wird, kann dies zu einer gefährlichen Stoffwechselentgleisung führen. (Mehr dazu hier: Diabetische Ketoazidose).
Meine DiaMo-Regeln für den Umgang mit Kohlenhydraten als Typ 1 Diabetiker:
Zucker ist nicht per se problematisch: Mit Zucker (Industriezucker) kann unser Insulin relativ gut umgehen. In Maßen konsumiert, wie zum Beispiel in einigen Stücken Schokolade, verursacht er selten langanhaltende Gluko-Kicks, sofern er ohne Stärke konsumiert wird. Natürlich ist es wichtig, auf die Gesamtmenge an Zucker zu achten, aber Zucker allein ohne Stärke lässt sich relativ gut kontrollieren.
Komplexe Kohlenhydrate zielen auf Typ 2 Diabetiker: Haferflocken, noch so ein Trend der letzten Jahre, die bei Diabetikern oft empfohlen werden, können für Typ 1 Diabetiker problematisch sein und zu langen Gluko-Kicks führen. Vor allem die Einnahme von großen Mengen oder schnell verarbeiteten Varianten (z. B. Instant-Haferflocken) kann sehr langwierige Gluko-Kicks verursachen. Statt Haferflocken können Haferkleie oder Dinkelkleie verwendet werden. Diese Produkte haben weniger Stärke und werden vom Insulin besser verarbeitet.
Stärke sollte gemieden werden: Besonders in Kombination mit Zucker und Fett können stärkehaltige Lebensmittel starke und langanhaltende Gluko-Kicks verursachen. Die Blutzuckerspitzen können mehrere Stunden anhalten, was jedoch auch zu einem verzögerten und drastischen Blutzuckerabfall führen kann – insbesondere nachts ist dies für Diabetiker gefährlich.
Ist Low Starch die Lösung für Typ 1 Diabetiker?
Anstatt sich auf Diäten wie Keto oder Low Carb zu konzentrieren, könnte für uns Typ 1 Diabetiker eine Ernährungsweise mit dem Fokus auf Low Starch (wenig Stärke) die bessere Lösung sein. Low Starch bedeutet nicht, Kohlenhydrate komplett zu meiden, sondern bewusst solche auszuwählen, die das Insulin besser verarbeiten kann und weniger Gluko-Kicks verursachen. Dieser Ansatz bietet mehr Flexibilität und hilft gleichzeitig, die Blutzuckerwerte langfristig stabil zu halten.
Fazit: Es geht weniger um die Quantität der Kohlenhydrate, sondern vielmehr um ihre Qualität. Ein gezielter Umgang mit stärkehaltigen Lebensmitteln und die Wahl von Ballaststoffen sowie weniger verarbeiteten Kohlenhydraten kann helfen, den Blutzucker zu stabilisieren und das Insulin effizient zu nutzen. Für ein Leben mit Diabetes aber ohne Gluko-Kicks.
Fun Fact
Wenn man Low Starch googelt, dann führt der Top-Treffer zu Nahrungsmitteln für Pferde mit gesundheitlichen Problemen. Da scheint sich die Idee schon stärker durchgesetzt zu haben als bei uns Menschen.
Eine Auflistung von Gluko-Treibern mit hohem Stärkeanteil: www.dia-mo.org/gluko-treiber
Eine Auflistung von Gluko-freundlichen Lebensmitteln: www.dia-mo.org/gluko-freunde
Mai 2026
Die Inhalte auf dia-mo.org dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine medizinische Beratung. Bitte wende dich bei gesundheitlichen Fragen an Deine Ärztin oder Deinen Arzt.



