Alle Macht dem HbA1c?
Erwartungsvoll sah ich meinem neuesten Blutcheck entgegen. Nach zwei Jahren erfolgreicher Experimente mit nährstoffdichter Ernährung, fiel mein mg/dL-Wert zuletzt (laut Sensor-App) um 10 Einheiten. Wie hoch wohl der positive Effekt auf meinen HbA1c-Wert sein würde? Dann der Schock: Er stieg um 0,2 %.


Warum HbA1c?
Bereits vor einigen Jahren riet mir meine Diabetes-Ärztin, ich solle mich bei meiner Erfolgsmessung nicht ausschließlich am HbA1c-Wert orientieren, da dieser lediglich der beste verfügbare, aber eben nicht der beste mögliche Messwert für die Blutzuckermessung sei. Dennoch ist er zentral er für die Diagnose von (Prä-) Diabetes sowie zur Beurteilung, ob ein Diabetiker gut eingestellt wurde oder nicht.
Was ist dieser HbA1c-Wert eigentlich?
HbA1c zeigt den prozentualen Anteil des Zuckers am Gesamt-Hämoglobingehalt im Blut innerhalb der letzten 8-12 Wochen an (https://www.hba1c.info/index.php). Nicht einmal bei dem Zeitraum, ob der Messwert die letzten zwei oder drei Monate umfasst, besteht also Konsens. Dann wiederum liest man, „dass dieser Parameter lediglich ein unvollständiges Bild bietet“ mit „ausgeprägten individuellen Schwankungen“ (https://www.universimed.com/ch/article/diabetologie-endokrinologie/hba-personalisierung-langzeitzuckerwerts-452132#). Sollen wir uns nun an ihm orientieren oder nicht? Viele von uns Typ 1 Diabetikern benötigen einen Fixpunkt, an dem sie sich – und die eigenen Bemühungen – ausrichten können. Ich gehöre definitiv dazu.
Alternative Indikatoren zum HbA1c-Wert
Unglücklich fragte ich also meine Ärztin erneut, wie diese Abweichung zwischen Sensorangaben und HbA1c-Wert zustande kommen. Während mein mg/dL-Wert in den letzten 90 Tagen, laut Sensor-App, um 10 Einheiten fiel, stieg mein HbA1c-Wert in demselben Zeitraum um 0,2 % - das ergab für mich keinen Sinn. „Fixieren Sie sich nicht auf den HbA1c-Wert! Lassen Sie uns lieber auf die zeitliche Verteilung Ihres Blutzuckers in den einzelnen Messbereichen schauen. Diese Werte finde ich aussagekräftiger“, sagte sie.
Gemeinsam schauten wir auf die Werte in meiner Sensor-App:
Wenigstens eine gute Nachricht: diese Verteilung entspricht dem offiziell festgelegten Zielwert, ist in Teilen sogar besser. Ich habe zwar beim HbA1c-Wert mein 2-Jahres-Ziel gerissen, aber dafür die Norm hinsichtlich der Schwankungen meines Blutzuckers übererfüllt. Die positive Folge meiner Ernährung ohne Gluko-Kicks. Unzufrieden bin ich trotzdem, die 6,5 % beim HbA1c-Wert (noch) nicht unterschritten zu haben.
War es der
Weihnachts-Effekt?
Dennoch wunderte ich mich über die Abweichungen. Die Recherche in meinen Unterlagen ergab, dass ich bereits im April 2025 einen ähnlichen Effekt festgestellt hatte: da fiel der HbA1c-Wert jedoch stärker, als es mein mg/dL-Wert in der App vermuten ließ. Damals freute ich mich noch.Im derzeitigen Fall ist es Anfang Januar 2026, die Adventszeit mit Weihnachtsmärkten, Weihnachtseinladungen und Silvester ist gerade hinter uns. Die Schlemmerei (und Trinkerei) auf dem Weihnachtsmarkt brachte starke Gluko-Kicks mit sich, die meine sonst guten Werte anscheinend nicht ausgleichen konnten.
Meine Schlussfolgerung: Bei der Blutzuckermessung des HbA1c-Werts scheinen die letzten vier Wochen ein überdurchschnittlich großes Gewicht zu haben – im Positiven wie im Negativen. Wer also in den vier Wochen vor dem Arztbesuch sich besonders anstrengt, kann wahrscheinlich mit besseren HbA1c-Werten glänzen als es der 90-Tage-Durschnitts-Wert vermuten ließe.
Die „Moral“ von der Geschichte?
Letztendlich geht es um unsere Gesundheit als Typ 1 Diabetiker und um unsere eigene Zukunft. Ärzte zu beeindrucken oder Werte zu beschönigen, hilft niemandem, am wenigsten uns selbst. Lassen wir uns von den Zahlen nicht verrückt machen und gönnen uns ein gutes und möglichst gesundes Leben. Und wenn der Weihnachtsmarkt mal zuschlägt, dann sehe ich immer noch das Leben und die schönen Erlebnisse mit Freunden als wichtiger an. Die 0,2 % beim HbA1c hole ich in 2026 locker wieder auf, ganz sicher.





