Hunger nervt – weg damit!
Ernährungsumstellung genießt gemeinhin einen schlechten Ruf. Bloß keinen Verzicht! Keinen Hunger! Keine grüne Diktatur! Und erst recht kein Vogelfutter! Wovor scheuen wir uns so sehr? Vor mehr Gesundheit, Wohlbefinden, mehr Energie? Oder ist es schlichtweg die Angst vor dem Neuen und Unbekannten?


Essen ist toll!
Ich hatte schon immer den Ruf, eine gute Esserin zu sein. Als ich ein Kleinkind war, ließen mich meine Eltern mal über die Mittagszeit bei den Nachbarn. Netterweise bekam ich dort auch ein Mittagessen. Die Nachbarin erinnert sich noch immer, dass ich eine Portion wie ihr Mann verspeist hatte. Der war allerdings Bauarbeiter und ich vier Jahre alt.
Und beim Grillen stellte mein Freund vor einigen Jahren fest, er habe noch nie jemanden so viel essen sehen wie mich – nachdem ich fünf Stunden lang nonstop irgendwas gekaut habe. Meistens zwar nur Gemüse, Oliven oder Dips, dafür aber pausenlos. Essen war mir schon immer sehr wichtig, ich wurde unausstehlich, wenn ich Hunger hatte. Dennoch war ich nie übergewichtig, denn „das Richtige“ zu essen, war stets mein Mantra.
Was ist „das Richtige“?
Je natürlicher das Essen ist, desto besser ist es für unser Wohlbefinden. Gesundheit, Energielevel, Fitness, Leistungsfähigkeit: all das lässt sich über die richtige Auswahl der Nahrungsmittel steuern. Und vor allem, für mich das Wichtigste, Hungern ist Mist. Niemand (bei Verstand) mag das. Dabei gibt es die fest sitzende Annahme, dass große Mengen an stärkehaltigen Lebensmitteln wie Brot, Nudeln, Reis oder Kartoffeln notwendig sind, um satt zu werden und eben nicht zu hungern.
Superkraft: Sattmacher
Doch so ist es nicht zwangsläufig. Ballaststoffreiche Lebensmittel besitzen diese Superkraft auch. Und zwar viel nachhaltiger als die (meist leeren) Kohlenhydrate aus Stärke. Stärkehaltige Lebensmittel erfüllen das Versprechen der Sättigung durch ihre Fülle nur schneller. Durch ihre fehlende Substanz beim Verdauen lässt die Wirkung der Sättigung jedoch schnell nach und der Hunger kehrt nach kurzer Zeit zurück. Zusätzlich enthalten stärkehaltige Kohlenhydrate viel Glukose, die Droge unseres Hirns. Wie bei einem Drogenjunkie verlangt es bald nach mehr Stoff – der Heißhunger entsteht. Diese Art der Ernährung nennt man energiedicht.
Ballaststoffe hingegen haben während des Essens wenig Masse und sättigen nicht so schnell. Während der Verdauung offenbart sich jedoch ihre Superkraft: Sie quellen im Magen auf, weshalb man nach dem Essen viel Flüssigkeit zu sich nehmen sollte. Dadurch bleiben sie länger im Verdauungstrakt und halten uns nachhaltiger satt. Da das Hirn nicht mit Glukose gedopt wird, verlangt es auch nicht sofort nach Nachschub – der Heißhunger bleibt aus.
Ballaststoffe und Gemüse – ein super Duo
Wenn man nun viel unterschiedliches Gemüse mit Ballaststoffen wie Kleien, Samen und Nüssen kombiniert, bekommt man eine üppige Mahlzeit durch die schiere Menge an Gemüse und bleibt aufgrund der Ballaststoffe sehr lange satt. Beide Lebensmittel enthalten wenige und zudem qualitativ hochwertige Kohlenhydrate, die damit schnell vom künstlichen Insulin verarbeitet werden können – der Garant für einen Tag ohne Gluko-Kicks. Diese Art der Ernährung nennt man nährstoffdicht.
Hungert nicht – esst das Richtige
Nicht das Hungern, Verzichten oder Nulldiäten sind der Schlüssel zum Erfolg, sondern sich einzulassen auf gesunde Lebensmittel und Mahlzeiten mit verträglichen Nährstoffen, die das Leben mit Typ 1 erleichtern – und verlängern. Und die Angst vor höherem Zeitaufwand ist oft gar nicht begründet. Studien zeigen, dass zwar die Produktion an (hochverarbeiteten) Fertiggerichten in den letzten fünf Jahren um mehr als 25 % gestiegen ist, zugleich jedoch „verbringen Menschen in Deutschland nicht weniger Zeit mit der Essenszubereitung als früher“. Während es vor zehn Jahren 40 Min. täglich waren, sind es mittlerweile 41 Min. Mehr Fertiggerichte zu verwenden spart also nicht zwangsläufig Zeit bei der Essenszubereitung (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_N002_42.html).
Nicht weniger vollstopfen, anders vollstopfen, ist die Devise für weniger Gluko-Kicks.



